Stilles Glück

by Friedrich Wilhelm Riemer (1774–1845) · 1816 German

Was, liebes Herz, begehrst du noch?
Was macht dir stilles Grämen?
Das schönste Glück es ward dir doch
Und Niemand mag's dir nehmen.

Sie kam so schön, sie kam so mild,
Dir freundlich anzuneigen,
Nun bleibt dir doch Ihr süßes Bild
Auf immerdar zu eigen.

In deines Busens stillem Kreis
Sey dieser Schatz gepfleget:
Wie oft ein unscheinbar Gehäus'
Der Perle Kleinod heget.

Beschauend häng' an deinem Glück
Mit stiller Glaubenstreue,
Gleichwie am holden Sternenblick,
Wie an des Himmels Bläue.

Begehrst ja doch der Sterne nicht,
Kein Wunsch kann sie erlangen;
Des Himmels klares Angesicht,
Du willst es nicht umfangen.

Doch kindliches Vertrauen reicht
Wohl in die weitste Ferne,
Und tröstend ihm entgegen neigt
Die stille Huld der Sterne.

So trau denn auch auf Ihren Stern
Und auf Ihr hohes Walten;
Denn was Sie schenkte wird Sie gern
Dem Glaubenden erhalten.

Ja, wenn dich einst das Schicksal ruft,
Vom Liebsten dich zu scheiden;
So wird dich in die finstre Gruft
Ihr lichtes Bild begleiten. (S. 137-138)
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