Die Klippe

by Friedrich Wilhelm Riemer (1774–1845) · 1816 German

Wenn aus der tiefen Nacht der Wimpern Säume
Mir Deiner Augen Licht, der süßen, blauen,
So freundlich lacht, wie sonnige Veilchen-Auen
Aus ernstem Kranze schattendunkler Bäume:

Den Himmel selbst, gefaßt in diese Räume,
Und Edens Fluren wähn' ich einzuschauen!
Da will mein Blick sich eine Heimat bauen,
Mein Geist lustwallt vertieft in holde Träume -

Doch ach! traumwandelnd ruft' es aus den heitern
Gefilden plötzlich ihn, wie Stimmen der Sirene,
Herab zum Rosenbord der schönsten Lippen,

Und Ohr und Blick versenkt zum Quell der Töne,
Muß er, im Angesicht der Zauberklippen,
Umsonst erwacht, nur so gewisser scheitern! (S. 15)
_____

More poems by Friedrich Wilhelm Riemer

  • Abschiedskarte

    Du gehst - und ach! der Lenz, der nun begonnen,
    Dein schönes Ebenbild, wird mit Dir scheiden! -
    Mit eins ist Lust und Leben mir zerronnen: …
  • Aug und Herz

    Göttin an Gestalt und Wesen,
    Kron' und Kleinod aller Frauen!
    Dich auch nur von fern zu schauen …
  • Bildnerin und Bild

    Voll Unschuld, Ihrer und der Welt vergessen,
    Gleich einer Knospe in sich selbst gehüllt,
    Sitzt bildend sie, die selbst das schönste Bild, …
  • Bononischer Stein

    Kennst Du wohl jenen Stein, den wunderbaren,
    Der aus der Sonne saugt ein heimlich Leben? -
    Doch läßt sein stilles liebevolles Streben …

All poems by Friedrich Wilhelm Riemer →