Bildnerin und Bild

by Friedrich Wilhelm Riemer (1774–1845) · 1816 German

Voll Unschuld, Ihrer und der Welt vergessen,
Gleich einer Knospe in sich selbst gehüllt,
Sitzt bildend sie, die selbst das schönste Bild,
Das zu der Anmut Künstlern je gesessen;

Bemüht, Gestalten aus dem Wachs zu pressen,
Das willig Ihrem Schöpferdruck vergillt;
Doch, ob es immer Ihren Zweck erfüllt,
Mit meinem Herzen kann es sich nicht messen.

Das todte Wachs kann nur die Spuren zeigen,
Die ihm zuletzt Ihr Finger aufgeprägt,
Muß von der Bildnerin auf immer schweigen;

Allein mein Herz hat sie zugleich erhalten,
Das lebend, unauslöschlich, in sich trägt
Die schöne Bildnerin und die Gestalten! (S. 14)
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