Hand in Hand

by Julius Grosse (1828–1902) · 1882 German

Hand in Hand auf lichten Höhen,
Tief im Schattenthal zu schreiten -
Sanfter Tage Dämmerstunden,
Sturmesstille Winterweiten -
Nimmer glaubt' ich euch so lieblich,
Nimmer glaubt' ich mich so jung.
An verflossne Jugendzeiten
Starb nun die Erinnerung.

Keinen Herzenswunsch zu hegen,
Als zu lauschen Mädchenworten,
Keinen Pfad bei Nacht zu kennen,
Als zu stillen Gartenpforten -
Nimmer schien mir das so köstlich,
Bis ich küßte deinen Mund.
Alle Rosen, die verdorrten,
Blühen wieder auf zur Stund.

Stolze Freiheit, Jugendhochmuth,
Wohin ist dein Siegesprangen?
Hingestorben bist du müde
In ein einzig süß Verlangen.
Trugst du hoch im Sturm den Nacken,
Lern die Demuth nun im Glück.
Weich von Mädchenarm umfangen,
Schau in Flammen nicht zurück. (S. 69-70)
_____

More poems by Julius Grosse

  • Abschied

    Endlich Entscheidung - und ewig verloren,
    Ewig verstoßen - O still, ihr Klagen
    Traumentnüchterter Treugelübde! …
  • Aequinoctien

    Gleich den Tagen nun die Nächte.
    Stürme brausen thalhernieder,
    Stürme toben auch im Herzen, …
  • Als ich dich liebte, liebt' ich auch die Gotteswelt

    Als ich dich liebte, liebt' ich auch die Gotteswelt,
    Und alle Menschen schienen mir erhabener.
    Seit du mich aufgegeben, - wie vom Blitzesstrahl …
  • An der Kirchthür

    An der Kirchthür bin ich vorbeigegangen,
    In den Linden schlief der Wind.
    Ach, was mach' ich diesen lieben langen …

All poems by Julius Grosse →