Durch Wildniß schweif' ich hingesunkner Trümmer

by Julius Grosse (1828–1902) · 1882 German

Wie konnte solche Herrlichkeit vergehn,
Die in jahrtausendaltem Schimmer
Im Tod noch lächelt stolz und jugendschön?

O still! Wenn selbst des Glaubens Säulen sanken,
Ein Hauch, ein Schatten höchste Seligkeit,
Vergänglich sind die leuchtendsten Gedanken -
Weit schneller stürzt das Leid noch als die Zeit.

Nun schlagen wohl daheim die Nachtigallen,
Wie auch vordem im Mondenschein,
Doch dieser Liebe Tempel ist zerfallen,
Und in Ruinen denk' ich dein.

Ich denke dein, wie einer Zaubermäre,
Die uns die Muhme einst am Spinnrad sang;
Von Kindesaugen perlte manche Zähre
In Mitleid und in Schauer bang.

Dann gingen wir zur Ruh' und träumten weiter
Von jenen Fee'n. So kommst auch du
Im Traum zuweilen jugendschön und heiter
Und segnest mich mit längst entbehrter Ruh'. (S. 97-98)
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