Demuth des Glücks

by Julius Grosse (1828–1902) · 1882 German

Ach, alle Tage will ich nun voll Demuth gehn,
Daß mir so Liebes ist auf Erden noch geschehn.
Ich sah schon Tannen hoch und stolz im Waldeshag,
Sie sanken jäh im Blitzesstrahl, im Wetterschlag.
Ich sah schon Menschen, glückliche von Jugend auf:
In Leid und Thränen endete ihr Lebenslauf.
Was hab' ich Großes, Rühmenswerthes denn gethan,
Daß nun zur holden Wahrheit ward ein Traumeswahn,
Daß du von mir genommen hast der Jahre Pein,
Daß mir das Aug' voll Thränen steht, gedenk' ich dein?
Nichts war ich werth, nur Dornen säten meine Mühn,
Nun seh' ich Rosen reich auf allen Pfaden blühn.
Dein Werk nur ist's, du meiner Seele Morgenlicht,
Daß alle Schatten weichen mir vom Angesicht.
In ew'ger Demuth will ich nun auf Erden gehn,
Um dich die Schicksalsstürme all mit Lust bestehn. (S. 70)
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