XII.

by Johann Diederich Gries (1775–1842) · 1829 German

Die Ruhe hofft' ich wieder zu gewinnen,
Die meiner Brust, seit ich dich sah, entwunden;
Und ach! nun bist auch du mit ihr verschwunden.
Dir zu entfliehn - o thörichtes Beginnen!

Und eilt' ich bis an's fernste Meer von hinnen,
Am fernsten Meere würdst auch du gefunden.
An jedem Ort umschwebt, zu allen Stunden,
Dein Bildniss mich - ihm kann ich nicht entrinnen.

Und wenn ihr doch dem sehnenden Verlangen,
Ihr Sterne, nur dies einz'ge Labsal liesset!
Doch alles raubt ihr, was mich glücklich machte.

Wenn vor der Arme glühendem Umfangen
In leere Luft das theure Bild zerfliesset,
Dann fühl' ich zehnfach, dass ich einsam schmachte. (S. 180)
_____

More poems by Johann Diederich Gries

  • An Eleonore

    Auch du entfliehst? So welkt die letzte Blüthe
    Aus meines Frühlings bald verblichnem Kranz!
    Der letzte Strahl des Morgenlichts verglühte, …
  • Das Plätzchen im Walde

    Das Plätzchen im Walde.
    Du stiller Ort, wo oft mit lieblichem Erröthen
    Die Muse mir den Schleier fallen ließ, …
  • Der Arzt

    Der Arzt.
    Von der Krankheit Glut verzehret
    Lag des Königs einz’ger Sohn. …
  • Der Bach

    Der Bach.
    Lieblicher fleußt, o Bach, die stille Lethe
    Durch Elysiens Fluren nicht; es sprudelt …

All poems by Johann Diederich Gries →