Die Gelegenheit

by Johann Diederich Gries

Nach dem Ital. des Nic. Macchiavelli.

Wer bist du, deren Stirn des Himmels Siegel       Mit mehr als Erdenreiz und Anmuth ziert?       Du ruhest nie? Wozu am Fuß die Flügel? „Gelegenheit werd’ ich genannt, verspürt

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      Von Wenigen; und dieses stete Wanken

      Kommt von dem Rade, das mein Fuß berührt. Mein Flug ist schnell, wie Schweben der Gedanken,       Und meiner Füße doppelt Flügelpaar       Verwirrt den Blick durch nimmer ruhend Schwanken.

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Nur auf der Stirne wächst mein Lockenhaar,

      Und dient mir, Brust und Antlitz zu verdecken,       Daß Keiner meines Kommens nehme wahr. Kahl ist mein Hinterhaupt; daher mit Schrecken,       Was mich entschlüpfen ließ, kein Mittel sieht,

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      Mich je zu unterwerfen seinen Zwecken.“

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