Ständchen

by Alfred Walter Heymel (1878–1914) · 1895 German

Rosenbüsche leuchten durch die Nacht.
Nur ein Mondschein und der Trost der Sterne.
Fern der Silberfluß. - Ich hör nicht gerne,
wie es aus dem Landhaus leise lacht.

Freundin scherzt dort. Und ich Tor, ich bebe,
von dem Frost der Einsamkeit gepeinigt.
Nur noch, wenn die süße Näh uns einigt,
glaube ich, Geliebte, daß ich lebe.

Laube find ich und den Hügel leer,
unsere hellen Wege unbetreten.
Komm, mich an den Liebesstrand zu retten,
Süße, aus erinnerungslauem Meer!

Rosenbüsche leuchten durch die Nacht.
Sanfte Lieder sing ich meinem Sterne.
Warum kamst du nicht? - In grauer Ferne
dämmert es, und dein Verliebter wacht. (S. 79)
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