Betäubung

by Alfred Walter Heymel (1878–1914) · 1895 German

Neue Klänge wurden laut, Stimmen drangen in mein Ohr,
Herz wird schwer, daß es so ganz deinen Klang verlor.
Sturmchoral auf hoher See, Kanon in der Erde Schoß,
Dynamit und Felsensturz: dein gedacht ich bloß.
Trommeln, Pfeifen, Hörner, Tanz, Stampfen, Litanei und Wut,
Frauen sangen dunkle Brunst: nichts drang in mein Blut.
Feuerte sich Arbeitvolk psalmodierend an zum Fron,
löste aus dem Singsang sich dein verwandter Ton.
Schrecken, Pfauchen, Klage, Pfiff, Schrill und Schrei im alten Wald,
Affenschwatz und Raubtierzank: dir verstummt es bald.
Deine Stimme wellt sich her, das Getös wird Symphonie,
Lärm und Chaos ordnet sich deiner Melodie. (S. 18)
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