Ich bin der Herr, dein einz'ger Gott, und du
Sollst neben mir nicht andre Götter haben,
Ruft das Gesetz dem Menschenkinde zu,
Denn in dem Einen hast du alle Gaben;
Doch daß mit Augen du die Wahrheit schaust,
Sei an die Seite dir das Weib gegeben,
In dem du einen Tempel dir erbaust
Und heiligst und...
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Ich habe dein Bild am Himmel fern
Gesucht beim bleichen Morgenstern,
Ich schwebte dir nach mit dem Schwalbenzug,
Der gen Mittag nimmt den geschwinden Flug,
Die Arme hob ich nach deiner Gestalt,
Wenn die Berge des Abends Gold umwallt;
An aller hohen Dinge Glanz
Hab ich dein Bild gebunden,
Und... -
Ich gieng mit meiner Königin
Die duftigen Höhen des Waldes hin.
Vergessen hatt' ich Stund' und Zeit,
War Alles nur Eine Ewigkeit,
Die aus des Himmels wärmstem Grunde
Herabsank auf die schönste Stunde;
Streiften die Blätter uns nicht sacht,
Ich hätte selbst des Maien kaum gedacht.
Fühlt' ich... -
Der Himmel gieng aus allen Fugen,
Die ganze Erde hat gebrannt,
Als dich davon die Wagen trugen,
Ich aber stand wie angebannt.
Sie durften jubelnd dich empfangen,
Als müßte sich's von selbst verstehn;
Wie mir der Tag dahin gegangen,
Kein Menschenauge hat's gesehn.
Sie... -
Ich bete alle Tag' und Stund
Um Glück für seine Seele,
Mit Freud' schaff' ich die Hände wund,
Wenn ich von ihm erzähle,
Und wenn der Tag hinunter geht,
Mein Liebster nur ist mein Gebet.
Ein Gärtlein hab' ich ihm gesät,
Das gibt so frische Kühle,
Und wenn die Sonne drüber steht,... -
Komm, du Ersehnter, im lieblichem Traume,
Stille mein Dürsten mit labendem Schaume
Aus dem erquickenden Kelche der Nacht. -
Die ihr den herrlichen Freund mir entrisset,
Euch ist vergeben, weil ihr nicht wisset,
Wie ihr mir Pein und Verzehren gebracht.
Quälende Sonne! Beschämt und verlassen
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Flammender Glaube, heldengroß
Jegliches Höchste wagend,
Stürme des Zweifels, hoffnungslos
Schiffer und Boot verschlagend,
Geister der Qual und Dämonen der Lust,
Himmel und Hölle in Einer Brust!
aus: Gedichte von J. G. Fischer
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Heim auf des Abends
Schweigenden Pfaden
Wandelt ein müdes,
Glühendes Mädchen,
Schlaf von dem Haupt ihr
Hängen die Locken.
Aber ihr scheues
Auge will fragen:
"Sage, Geliebter,
Wie mir so süßes
Müdsein die Seele
Heute beschlichen,
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Das Mägdlein sprach: "Lieb Knabe mein,
Nun sag' mir, was ist mein und dein?"
Der Knabe sprach: "Lieb Mädchen mein,
Dein schönes Auge das ist dein,
Und drein zu schauen das ist mein;
Dein rother süßer Mund ist dein,
Dich drauf zu küssen das ist mein;
Nun thu' mir auf die Arme dein,... -
Ich hab' gelernt die Frauenliebe loben,
Geliebte, bei des Frühlings Nachtigallen,
In's dichte Laub sind küssend sie gefallen,
Dann hat der Gatte singend sich erhoben.
Dein blüh'nder Leib, aus Duft und Licht gewoben,
Dein heil'ger Kuß, dein tiefes Aug' vor allen
Hat mich, o Mädchen, von den Nachtigallen...