Heim auf des Abends
Schweigenden Pfaden
Wandelt ein müdes,
Glühendes Mädchen,
Schlaf von dem Haupt ihr
Hängen die Locken.
Aber ihr scheues
Auge will fragen:
"Sage, Geliebter,
Wie mir so süßes
Müdsein die Seele
Heute beschlichen,
Daß ich mich schämte
Vor der Gesellschaft,
Daß mich erschreckten
Stimmen der Männer,
Und ich auf's Lager
Zitternd nun sinke!"
""Die du mich gestern
Lachend empfangen
Als ich mit wunden,
Erdigen Fingern
Aus dem Gebüsche
Blumen dir holte;
Als ich zum heut'gen
Feste den Kranz dir
Dienend vollendet,
Der von dem schwülen
Tag nun verweht ist
Wie deine Locken,
Ueber dich selber
Ist es gekommen,
Was mich bewegte,
Daß du nun sanft bist,
Daß du es duldest,
Wenn ich dich küsse,
Daß du die Nacht wohl,
Wenn ich am Ufer
Singe mein Mailied,
Leise herauskommst,
Schlummergefloh'ne
Sehnende Seele.""
aus: Gedichte von J. G. Fischer
Dritte vermehrte und aus verschiedenen Sammlungen
vervollständigte Auflage
Stuttgart Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung 1883 (S. 13-15)