• 1.
    Durch alle Museen schleppten sie mich,
    Zeughäuser und Folterkammer;
    Mit Angst und Grausen überschlich
    Mich der längst verstummte Jammer.

    O Herz, du thörichtes altes Herz,
    Und willst du's noch einmal wagen,
    Den ganzen wahnsinnigen Höllenschmerz
    Der Liebe zu ertragen?...

  • Durch Sturm und Regen
    Der Liebsten entgegen, -
    Die Uhr schlägt sieben -
    O Mädchen wo ist meine Ruhe geblieben?
    All meine Weisheit, all meine Stärke
    Verschwend'risch verpufft wie im Feuerwerke.

    Kein Schimmer von Sternen,
    Nur Schmutz und Laternen, -
    Die Uhr schlägt acht -...

  • Durch die Straßen, durch die Gärten,
    die wir gingen einst zu Zwein
    all die liebgewordnen Wege,
    still nun geh ich sie allein ...

    Doch wie damals ist ein Leuchten
    rundum und ein Blühn und Glühn
    und ein sommerselig Klingen
    und ein Summen und ein Singen
    und ein Sprühn und...

  • So gehst du abends durch das Tor,
    wenn schon vor Nacht die Sonne sinkt,
    wenn schon im letzten Licht ertrinkt
    der bunten Stimmen süßer Chor.

    Und fühlst: dein Sinn wird wieder leicht,
    den dir der Tag so schwer gemacht,
    und merkst, aus dumpfem Traum erwacht,
    wie sehr dein Herz den Blumen...

  • Durch Wildniß schweif' ich hingesunkner Trümmer;
    Wie konnte solche Herrlichkeit vergehn,
    Die in jahrtausendaltem Schimmer
    Im Tod noch lächelt stolz und jugendschön?

    O still! Wenn selbst des Glaubens Säulen sanken,
    Ein Hauch, ein Schatten höchste Seligkeit,
    Vergänglich sind die leuchtendsten Gedanken -...

  • Alles Glück verhallt,
    Das ich kaum besessen -
    Auch du wirst mich bald
    Ganz vergessen.

    Meiner Hände Hast
    Und Sichseligbreiten
    Wird zum Spuk verblaßt
    Dir entgleiten.

    Du wirst mein Gedicht
    Nimmer krönend segnen,
    Nie wird mein Gesicht
    ...

  • NUN ward mir fremd mein eigener Schritt
    in diesem grauen Schweigen.
    Ein anderer tritt meinen Tritt
    auf diesen dämmernden Steigen.

    Mein eigenes Gespenst bin ich,
    das ruft und zögert und rastet,
    mit irren Händen jämmerlich
    nach lebendigem Leben tastet,

    und immer nur...

  • DOCH dies ist wahr: Mensch ward ich erst durch dich.
    Was in mir schlummerte, ist erst erwacht,
    als ich dich sah. Als in die tiefste Nacht
    der Leiden du mich stürztest, da begab es sich,
    daß Unerhörtes in mir auferstand.
    Mensch sein heißt leiden, und der wilde Brand
    des Schmerzes, den du in mir angezündet,...

  • Himmel zu Häupten und Stern über Stern,
    Brausende Gassen rollen von fern,
    Um uns des Nachtwinds weiches Gefühl,
    In uns ein Sehnen, ein Drängen, ein Ziel.
    Streichelt die Hand deines Nackens Gelock,
    Tastet am Fuß mir dein schwellender Rock.
    Seele in Seele schmeichelt sich ein,
    Keiner weiß mehr, was mein...

  • Wenn mir's durch die Sinne fuhr,
    Süße Worte dir zu machen,
    Ach, es ward ein Stammeln nur
    Zwischen Thränen, zwischen Lachen.

    aus: Ausklang. Neue Gedichte aus dem Nachlaß
    von Ludwig Jacobowski
    Herausgegeben und mit Einleitung versehen
    von Dr...