Rosa Mayreder
1858–1938
Rosa Mayreder (geb. Obermayer, Pseud.: Franz Arnold) (* 30. November 1858 in Wien; † 19. Jänner 1938 ebenda) war eine österreichische Schriftstellerin, Frauenrechtlerin, Kulturphilosophin, Librettistin, Musikerin und Malerin.
Poems (58)
1900s 58
- Allein und krank in dumpfer StubenengeIndes der Frühlingstag vom Himmel blaut,
- Bei jenem Glück, das wir vereint genossenEin Glück, das paradiesisch wunschlos war,
- Beirrt vom kalten Geiste der ErfahrungDer mit des Zweifels Pein die Seele plagt,
- BerufDie Liebe treibt mich, rastlos auszuspähen
- Das ist die Stunde, da ich seiner harrteDie Stunde der Erfüllung ach nicht mehr!
- Daß ich nur Freundschaft immer dir verheißenAls fromme Lüge mußt du es verzeihn.
- Der du verharrst in gramvoll düstrem SchweigenO möchten dir, wie schwer ich es ertrage,
- Die unser Teil in Schicksalstagen warenErlebnisse, die unser Los gebracht,
- Die Zeit nicht länger tändelnd zu verschwendenVersuch ich es, vom Fleiß dazu gemahnt,
- Eh noch die holde Wärme ganz verglühteJa, laß uns scheiden! Frei, aus eigner Wahl!
- Ein grenzenloses IneinanderweilenGetrennt, um eins zu sein, geteilt erst ganz,
- Erreichbar nicht mehr Wünschen, Klagen, BittenGingst du dahin – du hast den Weg vollbracht.
- Erschwere nicht mit tausend HindernissenDie Frage, die auf meinen Lippen glüht!
- Es frage niemand mich, warum ich täglichDieselbe Straße gehe vor dem Walle.
- Es glänzt dein Aug in wunderbarer Helle!Erfüllt von einem mystischen Entzücken
- "Frönst du wie andre Frauen eitlem HangeTreibst du mit mir ein frevlerisches Spiel?
- FrühlingsstimmungWenn Frühlingswärme mit dem linden Weste,
- Fülle der LiebeIst es ein Leid, das mir im Herzen blutet,
- GastfreundschaftWir leben beide in verschiednen Welten;
- GemeinsamkeitKönnt' es geschehn, daß Liebe Lieb' verletze,
- Gleich einer Pflanze ist dein SeelenlebenDie sich zur Blüte niemals wird entfalten,
- Ich lieb' es, unverwandt dich anzuschauen;Ein holdes Rätsel ist dein Angesicht,
- Ich weiß, du bist dir immer gleich gebliebenHast nicht für mich mehr als du kannst getan;
- Im kleinsten Raum, im unermeßnen hausendAus Nichts gezeugt, zu Nichts verflüchtigt auch,
- Im lichtbeglänzten Saal, der heiterprächtigZu Spiel und Tänzen Mann und Weib vereint,
- In deine Hände, diese milden HändeVerberg ich tiefbekümmert mein Gesicht.
- In meinem Sinne schätz ich nicht den hohenBegriff der Frauen von den Idealen
- Ist er's, der durch die finstre Gasse schreitet?Erkenn' ich ihn im Lichtkreis der Laterne?
- Laß in Betrachtung so mich still versinkenSo Hand in Hand, von Abschiedsweh erfüllt.
- LiebesblickOb Jugend noch in braungelockten Haaren,
- LiebesmutAuf meine Hand laß deine Tränen fließen,
- LiebeswunderIn früher Jugend schon, als ich erwachte
- Mein Freund, du hast unzählige Gestalten;Ein Proteus, unerschöpflich wandelbar,
- "Mein Kind!" Holdseligster der LiebesnamenDer in dem Buche unsres Lebens steht!
- Mit dir die Stunden traut hinwegzulachenDie stets erfüllten, was sie uns verhießen,
- Mit Tränen hab ich lange nachgesonnen -Was war es, sag, das zwischen uns geschah?
- Nachtwandelnd durch die dunkle Welt der DingeBin ich verdammt, am Abgrund hinzugehn;
- Nie werde ich Erfüllung dir bereiten!Der Fremdling, der an meinen Schritten hängt,
- Nun will ein Zweifel immer wiederkehrenMit bittrem Argwohn mir das Herz umnachten:
- Schilt nicht ein rätselhaftes mein Betragen!Das Unaussprechliche, das mich erfüllt,
- So müssen Stolz und Liebe sich bekriegen?Ist Stolz der Hüter, der das Schloß bewacht
- So tröst' ich mich mit alter Märchen KundeDie weltentrückt ein schönes Herz ersann;
- Und so geschieht mit uns, was unabwendlichWo Mann und Weib erwachen, sich begibt,
- Verbergen kann ich länger nicht mein ElendEs spricht beredt aus allem, was ich treibe.
- Vermöcht ich doch, dir alles zu erzählenWas tief im Grund mein Innerstes enthält!
- VerschmelzungIch weiß von Nehmen nicht und nicht von Schenken;
- Von dunklen Künsten hört ich viel berichtenVon mächtgen Wollens unerforschter Kraft,
- Warum ach kann ich nicht zu dir gelangen!Wie nah du bist, es führt kein Weg zu dir,
- Warum verfolgst du mich mit deinen BlickenUnd ängstigst mich mit ihrem stummen Flehn?
- Was schwärmerische Wünsche uns verkündenEs war ein Wahn weltflüchtiger Propheten,
- Wenn deine Hände sich um meine legenNimmst du zu eigen mich in solche Haft,
- Wenn durch mein dunkles Innere die wildeIngrimmig tobende Verzweiflung braust,
- Wie einen Vorwurf fühl' ich deine KlageDaß freudenlos und karg das Leben sei,
- WiedergeburtDu duldest es nur immer widerstrebend,
- Willst du erlöschen, Flamme, die du BeidenEin Reich der Träume vorgezaubert hast?
- Zu mächtig hast du mich an dich gezogen!Laß denn, was meine Liebe will, mich tun,
- Zur Warnung klinge mir ein ernstes Carmen:Du atmest lustbetäubt verbotne Düfte,
- Zwiespältig Herz, du liebeirres, wähneNicht länger eigensinnig, daß dein Los