William Shakespeare

Gender: 
Male
  • Des Jahres Spätherbst magst in mir du seh’n,
    Wenn falbes Laub kaum spärlich nur noch zittert
    An Zweigen, die erstarrt von Frostes Weh’n,
    Der Waldessänger Dom nun kahl verwittert.
    5 Dem Zwielicht solches Tages gleich ich bin,
    Der westlich dämmert, wenn die Sonne...

  • Damit die Welt dich nicht mit Fragen quäle,
    Wie ich’s um dich verdiente, noch im Grab’
    Geliebt von dir zu werden, theure Seele! –
    Vergiß mich, da Verdienst ich keines hab’!
    5 Nicht sollst mit frommer Lüge du bethören,
    Um mehr für mich zu thun, als mir gebührt,...

  • Wenn ich einst todt bin, traure nicht, sei froh,
    Sobald der Glocke trüber Klang geschwiegen,
    Der es der Welt verkündet, daß ich floh
    Die schlechte Welt, beim schlechtsten Wurm zu liegen!
    5 Und siehst du jemals diese Zeilen hier,
    Gedenke nicht der Hand, die sie...

  • Sei nicht erzürnt darob, daß sie dich höhnen,
    Stets war’s das Edle, was der Neid umschleicht;
    Verdacht erst zeigt den reinen Glanz des Schönen,
    Der Krähe gleich, die in den Aether steigt.
    5 Sei gut, so hebt der Leumund nur die Würde,
    Vor der die Huldigung der...

  • Ein Bild zeigt sein Gesicht von jenen Tagen,
    Als Schönheit lebt’ und starb der Blume gleich,
    Eh’ falscher Bastardschein es durfte wagen,
    Des Lebens Stirne zu verzieren reich;
    5 Bevor der Todte her noch mußte geben
    Sein goldnes Haar, verfallen schon dem Staub,...

  • Warum wohl soll er schuldbeflecket leben,
    Dem Frevel leihen seines Daseins Zier?
    Soll Sünde sich der Tugend gleich erheben,
    Sich brüsten, daß Genoss’ er heißet ihr?
    5 Darf falsch Gebild nachahmen seine Wangen,
    Und stehlen todten Schein von seines Lebens Blüth...

  • Nach Grabesruh’ muß müde ich mich sehnen,
    Wenn das Verdienst als Bettler sich mir zeigt,
    Wenn leeres Nichts sich putzend kann verschönen,
    Und reine Treu’ unsel’gem Meineid weicht;
    5 Wenn goldne Ehr’ der Schmach wird zugewendet,
    Und Jungfrau’ntugend frechen...

  • Wenn Erz, Stein, Erde, unbegrenzte Fluth
    Nicht trotzen kann der trüben Sterblichkeit,
    Kann Schönheit bergen sich vor solcher Wuth,
    Die keine Blum’ an Kräften überbeut?
    5 Was soll des Sommers süßen Hauch beschützen,
    Wenn heranbraus’t die rauhe Sturmesnacht,...

  • Was Aeußres kann die Menge von dir seh’n,
    Kein Witz wird je zu bessern dran wohl finden;
    Beseelt muß aller Mund dies eingesteh’n,
    Dein Feind selbst wird als wahr dein Lob verkünden.
    5 So krönet Aeußres dich mit äußrem Preis;
    Doch diese Zeugen, die dein Recht...

  • Wenn durch der Zeiten grimme Hand entstellt,
    Ich seh’ Jahrhunderts stolze Pracht im Staube,
    Der Zinne mächt’ge Wucht zur Erd’ gefällt,
    Und ew’ges Erz der Menschenwuth zum Raube;
    5 Gewahr’ des gier’gen Oceans Gewinn,
    Den er des Ufers Königreich entrungen;...