Mondnacht

by Ernst Rauscher (1834–1919) · 1864 German

Mondesaufgang. Schweigend brütet
Über'm Thal die Sommernacht,
Wünsche, lange still gehütet,
Sind mir in der Brust erwacht;
Geist der Vergangenheit!
Wehest voll Innigkeit,
Weckst mir im Innern
Leises Erinnern.

Muß der Tage wieder denken,
Da ich noch ein Knabe war -
Den ein träumend Selbstversenken
Oft ergriffen wunderbar;
Zukunft ward Gegenwart -
Was ich erstrebt, erharrt,
Ist es dem jungen
Herzen gelungen?

Aufgegangen meinem Leben
Herrlich ist der Liebe Stern,
Doch die andern seh' ich schweben
Noch im Nebel, klein und fern. -
Länger, ach! länger nicht
Werde ihr funkelnd Licht
Mir von dem bangen
Zweifel verhangen!

Wär's auch nur ein eitel Wähnen,
O so laßt mir solchen Wahn:
Ein beharrlich glühend Sehnen
Zieht Erfüllungsglück heran!
Was noch die Nacht umfängt,
Was sich zum Leben drängt,
Laßt sich 's gestalten,
Liebesgewalten! (S. 139-140)
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