An ihrem Geburtstage

by Ernst Rauscher (1834–1919) · 1864 German

O mag wie Lerchenjubel schweben
Mein heutig' Lied auf dich herab!
Wie einsam irrt' ich durch dies Leben
Wenn nimmer diesen Tag es gab!
Den herrlichsten von allen Tagen,
An welchem du zum ersten Mal'
Den Blick zum Lichte aufgeschlagen,
Dem Veilchen gleich im Wiesenthal.

Ein Kind des Frühlings! All' sein Prangen,
Dein holdes Wesen trägt's zur Schau:
Die Lilienstirn', die Rosenwangen,
Der Augen reines Himmelsblau!
Man merkt es an der Liebesfülle,
Von der dein Herze überfließt -
So wie vom Duft' der Blume Hülle,
Daß du ein Kind des Frühlings bist!

Du Reichbegabte, welche Gabe,
Die deiner werth, soll ich dir weih'n?
Ach! alles, was ich bin und habe,
Ist dein ja längst, auf ewig dein!
Die Schätze, die du mir gegeben,
O ford're nimmer sie zurück!
Und bleibe für ein langes Leben
Mein Trost, Entzücken, größtes Glück! (S. 137-138)
_____


More poems by Ernst Rauscher

  • Am lieblichsten!

    Lieblich bist du, wenn du am Morgen,
    Auf der Stirne Hausfrausorgen,
    Durch die Zimmer waltend geh'st - …
  • An die Erröthende

    Es möchte seiner Lieb' genießen
    Dein Herz, geheim vor aller Welt;
    Doch ob du noch so sehr beflissen, …
  • An eine zertrümmerte Bank

    Traute Waldbank, liegst in Trümmer
    Ganz zerfallen, kalt und naß,
    Wo ich in des Mondes Schimmer …
  • An ihre Augen

    Wie strahlt dein Auge wunderbar
    Im blauen Himmelsglanz!
    So sternenhell, so unschuldklar, …

All poems by Ernst Rauscher →