Klage

by Alfred Walter Heymel (1878–1914) · 1895 German

Als mir solch Gesicht geschah, war ich völlig fassungslos,
lag am Boden herzentblößt, aller Hoffnung bloß.
Trotzlust peitschte hart mich auf, schalt mich rüttelnd schwach und zag,
lockte in die Weite mich vorwärts Tag für Tag.
Gerne siedelte ich wo, doch du treibst mich hin und fort,
denn du wanderst immer mit, du versagst den Port.
Strand lädt ein und Hügel winkt; Handel, Acker, Jagdrevier,
Lust und Mühsal, Reichtum, Ruhm - die verblassen dir;
denn du wanderst immer mit, jagst mich weg und bleibst zurück.
Will dich jagen: du jagst mich sterbenswundes Stück.
Leg ich mich zum Tod ins Holz, heilt die alte Wunde mir,
daß sie neu geschlagen wird, daß ich leb in dir. (S. 15)
_____

More poems by Alfred Walter Heymel

  • An eine Erscheinung

    I.
    O, daß du kamst! Ach, daß du gingest
    und ließest uns zurück, …
  • Beichte

    Dient ein kriegsgefangener Prinz dem Eroberer beim Mahl,
    ist doch sein verbissenes Weh klein zu meiner Qual;
    eines Abgesetzten Gram, eines Sultans, der verarmt, …
  • Betäubung

    Neue Klänge wurden laut, Stimmen drangen in mein Ohr,
    Herz wird schwer, daß es so ganz deinen Klang verlor.
    Sturmchoral auf hoher See, Kanon in der Erde Schoß, …
  • Bildnis

    Nun dein Bildnis vor mir stand, wußt ich keinen Rat.
    Träne brach durchs Augenlid, es zerbrach die Tat.
    Wieder irrt ich nur durchs Holz, ich erklomm die Wand …

All poems by Alfred Walter Heymel →