In einer Laube

by Hans Schmidt-Kestner (1892–1915) · 1915 German

Poesie am Kaffeetisch,
Weh, ward heut gefordert,
Und zu manchem schnellen Vers
Wurde ich beordert.

Reimte, wie ichs grade fand.
Wenig wollt es taugen:
Auf die Feder schauten mir
Lachend Frauenaugen!

Und der Frühlingsgott dabei
Saß auf einem Aste,
Mit den Beinchen baumelt er,
Daß sichs kaum noch paßte!

Sonne war im Untergehn,
Und ein gold'nes Krönchen
Drückte sie aufs Wunderhaupt
Ihrem Lieblingssöhnchen.

Rosen standen ringsumher, -
Schwer von ihren Düften,
Taumelten ganz toll berauscht
Elfen in den Lüften.

Zu dem kleinen Zaubergott
Mußt ich liebend schauen,
Zu den Rosen dunkelrot,
Zu den holden Frauen.

Meine Hand schrieb dummes Zeug,
Reimerei, - verpönte, -
Doch ein kleines Liebeslied
Mir im Herzen tönte. - (S. 32)

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