Frühling

by Alfred Mombert (1872–1942) · 1963 German

Frühling! -
Durch die grüne Landschaft schritten sinnend
schöne Frauen, wie sie liebt der Frühling,
ernste lichtgereckte Huldgestalten,
die den Himmel stolz und sicher tragen.
Und im Zug zuhinterst sah ich Eine,
die ich heiß gekannt in heißem Jahr,
eine sonnesüße Sünderin.
Um die Schultern gleißte noch das Haarvließ,
aus des Rheines Goldhort kühn gehoben.
Etwas bleicher schien sie doch geworden,
und verwundert glaubt' ich: größer.
Heimlich raunt' ich im Vorüberstreifen:
"Sprich - wie geht es dir? - und kannst du hoffen?" -
Doch sie sah auf mich mit fremdem Auge,
laut verkündete die blasse Lippe:
"Es ist Frühling." (S. 32-33)
_____

More poems by Alfred Mombert

  • Abend

    Nach langem Tag kam endlich nun der Abend.
    Ein Wetterleuchten am fernen Erdrand.
    Kühler Wind strich lösend übers Feld. …
  • Bitte

    Jeder Hauch deines Geistes,
    jedes Glied deines Leibes -
    ein Netz, in das ich fiel. …
  • Blumen

    Sonne.
    Sie treten lachend in die Sonne.
    In den Garten unter glühende Blumen. …
  • Cena

    Grau krochen Tage, ohne Glanz,
    lange Tage, viele Tage.
    Wir waren beide krank und grau, …

All poems by Alfred Mombert →