Amors Träume

by August Kopisch (1799–1853) · 1856 German

Heute sah ich Amorn schweben
In der Luft, am lichten Tage,
Um ihn eine Schaar von Träumen,
In dem hellsten Sonnenglanze!
Er durchflog die bunten Reihen,
Als ihr König und Gebieter,
Sprach mit diesem und mit jenem,
Diesen dahin, jenen dorthin
Sandt' er aus nach allen Winden. -
Amor, rief ich, wehe denen,
Die sich dir so ganz ergeben!
Thoren sind es, arge Thoren,
Die am Tag mit Träumen spielen! -
Als ich kaum das Wort gesprochen,
Sandt' er lachend mir ein Traumbild,
Aehnlich meinem lieben Mädchen,
Daß ich, ganz entzückt und bebend,
Meine Arme danach streckte,
Und, mit gluterfüllten Lippen,
In die leeren Lüfte küßte!
(Band 1 S. 365)
_____

More poems by August Kopisch

  • Die Heinzelmännchen

    Die Heinzelmännchen.
    Wie war zu Cölln es doch vordem,
    Mit Heinzelmännchen so bequem! …
  • Als ich Mädchen dich in Eos Stralen

    Als ich Mädchen dich in Eos Stralen
    Wandeln sah mit schönen Bacchos Krügen,
    Traf der erste Pfeil mich von Cupido! …
  • Als in Dämmrung eingehüllet

    Als in Dämmrung eingehüllet
    Innig wir umschlungen saßen,
    Liebend Wang' an Wange lehnten, …
  • Amor gefangen

    Bei den Flügelchen hatt' ich Amorn,
    Gleich dem Schmetterling, gefangen,
    Schloß in einen ehr'nen Käfig …

All poems by August Kopisch →