Was hilft's!

by Hans Hopfen (1835–1904) · 1883 German

Was hilft es, vom Vergangenen genesen
Beim Wein?
Was hilft es, weise Bücher lesen?
Und weise sein?
Was hilft's, die Frauen und die Liebe lästern?
Ach, zwischen heut und gestern
Und zwischen Frost und Feuer ist
Nur kurze Frist!

War denn was mir besonders widerfahren
So viel?
Vor einer Stirn von zwanzig Jahren
Die Maske fiel.
Da schaut' ich blondes Haar und schwarze Brauen
Und Augen von den blauen.
Sie sprach: "Hast du dich satt gesehn?"
Und ließ mich stehn.

Sie ging ... und ich, kehrt auch die Sehnsucht wieder,
Vergaß
Was sie vom Scheitel bis zum Mieder
An Reiz besaß.
Vergessen war das Ebenmaß der Züge,
Der Lippen rote Lüge;
Nur eins vergaß ich nimmerdar:
Ihr Augenpaar.

Da sandt' ich Blumen aus, um sie zu werben.
Und sie?
Sie schrieb: "Ich bin verliebt zum Sterben,
Verliebt wie nie!"
So gingen wir selbander in die Falle.
Gott Amor narrt uns alle,
Er macht die Thoren aller Weisheit voll
Und Weise toll! (S. 100-101)
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