Trost im Scheiden

by Robert Reinick (1805–1852) · 1844 German

Du ziehst dahin, der Trennung Schmerz
Wie trüg ihn wohl das arme Herz,
Wenn nicht ein süßer Trost ihm bliebe?
Wo du auch wandelst, bin ich dein,
Wo du auch weilst, du bist ja mein,
Ich hab' ja dich und meine Liebe!

Ich hab' ja meine Lieb' und dich!
Wer könnte nur beklagen sich,
Dem solch ein Trost noch übrig bliebe.
Kann wohl dein Herze was erfreun,
Daß ich nicht spräch': es ist auch mein?
Ich hab' ja dich und meine Liebe!

Die Herrlichkeit der schönen Welt,
Die jetzt dein liebes Aug' erhellt,
Glaub' nicht, daß dir allein sie bliebe.
Und faßt dich Schmerz, was Gott verhüt',
Ich trag' ihn still und freudig mit;
Ich hab' ja dich und meine Liebe!

Die Lieb', die mir in's Herz gebannt,
Trägt mich zu dir durch Meer und Land;
Wer sagt denn, daß ich einsam bliebe?
Ich jauchz' und wein' mit dir zugleich,
Bin auch nicht arm, bin ja so reich,
Ich hab' ja dich und meine Liebe. (S. 63-64)
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