Bitte

by Robert Reinick (1805–1852) · 1844 German

Aus dem Grunde deines Herzens,
O Geliebte, blicktest du
Mit den reinen blauen Augen
In die Tiefe meiner Seele.
Und auf deiner Blicke Schwingen
Zogen Klänge, wie ich nimmer
Sie geahnet, in mein Herz.
Und die Klänge wurden Worte,
Und die Worte wurden Lieder,
Und die Lieder, sich erhebend,
Auf den Schwingen des Gesanges,
Suchen wieder ihre Heimath. -
Sieh', da kommen sie zu dir
Möchten an dein Herz sich schmiegen. -

Und sie schmeicheln und sie bitten:
"Liebes Herz, dem unser Leben
Wir verdanken, willst du uns
Als die deinen noch erkennen?
Liebes Herz verstoß uns nicht!" -

Liebes Herz, verstößt du sie? (S. 73-74)

More poems by Robert Reinick

  • Frühling ohn' Ende

    Nun brechen aller Enden
    Die Blumen aus grünem Plan;
    Wo ich mich hin mag wenden, …
  • Nichts Schöneres

    Als ich zuerst dich hab' gesehn,
    Wie du so lieblich warst, so schön,
    Da fiel's mein Lebtag mir nicht ein, …
  • Der Himmel im Thale

    Der Himmel da oben, der freut mich sehr,
    Möcht' wohl einmal hinauf;
    Doch schloß kein Engel mir bisher …
  • Der letzte Mai

    "Heute will der Mai von hinnen schweben,
    Ohne Küsse darf er nicht entschwinden!
    Liebchen, sei's auch nur ein Stündchen eben, …

All poems by Robert Reinick →