• O daß der Kuß doch ewig dauern möchte,
    – starr stand, wie Binsen starr, der Schwarm der Gäste;
    der Kuß doch ewig, den ich auf die Rechte,
    tanztaumelnd dir auf Hals und Brüste preßte!

    5 Nein, länger duld’ich nicht dies leere Sehnen,
    ich will nicht länger in verzücktem Harme
    die liebekranken Glieder Nächtens dehnen;
    „O komm, du Weib!“ entbreit’...

  • Charfreitagsruhe. Fühlst du’s auch:
    dies bange Grün und diesen Hauch,
    der drüber träumt?
    Und fühlst du’s, wie der Fliederstrauch
    5 von Knospen perlt und überschäumt?

    Und sehnen deine Brüste sich
    dem Auferstehungsmorgen zu,
    wie’s Magdalenen innerlich
    nicht ließ in Ruh,
    10 bis sie zum offnen Grabe schlich?

    Denn übermorgen...

  • Zwielicht … Sterbend hängt die scharfe
    Zunge aus dem Lästermaul.
    Sieh, nun weint dein König Saul,
    und dein David singt zur Harfe.
    5 Alle Kleider sind zerrissen,
    die den alten König schmückten;
    brütend hört er den Entzückten
    nahen aus den Finsternissen.

    Goliath tot! den König schauert;
    10 seine Schwermut ahnt ihr Ende.
    Und...

  • – Kaffee, Branntwein, Bier –
    im Spelunkenrevier,
    und ein Lied scholl rührend durch die Thür;
    und das sangen und spielten die traurigen Vier,
    5 ein Vater mit seinen drei Töchtern.
    Er stand am Ofen, die Geige am Kinn
    schief neben ihm hockte die Harfnerin,
    [...

  • Kommst du, Grollender?
    tief von Unten?
    Ueber Felsen und Wolken:
    suchst du mich, im dunkeln Mantel Du,
    5 schwarzgekrönter Wetterriese,
    mit der bleiernen Stirne?

    Höher doch! näher! herauf zu mir,
    mir und meiner Sonne,
    die hier mein zitternder Arm sich
    10 vom Himmel riß,
    die mich erleuchtet,
    von mir umglüht,
    sie...

  • Und einen Feldweg, und um Morgengrauen,
         die kahlen Bäume stehen da wie tot,
         ich aber wandre, ohne aufzuschauen.
    Ich fühle eine Furcht; und Regen droht.
    5      Ich höre den gedüngten Acker schweigen;
         und heute wird kein Morgenrot.
    Die Straße teilt sich. In den schwarzen Zweigen
         sagt keine Tafel mir die rechte Spur:...

  •      Nach einer Abschiedsvisite beim
     alten Herrn Geheimrath.

    Nehmen wir Geschehn für Leben,
    haben wir’s nicht recht verstanden;
    Menschenleben ist das Leben
    so nur, wie wir es empfanden –

    5 ja, so schwärmt’ich seelentrunken.
    Wie mir alles wohlbehagte,
    was ich fühlte, was ich sagte,
    in mein Spiegelbild versunken!

    Doch...

  • [139] Wiedergeburt.

         Nach Paul Verlaine.

    Da kam ein stiller Reiter
    geritten durch den Hain,
    der stach mit seiner Lanze
    in mein alt Herz hinein.

    5 Mein alt Herz gab nur einen,
    einen Tropfen Blut;...

  • [166]

    Wiegenlied für meinen Jungen.

    Schlaf, mein Küken – Racker, schlafe!
    Kuck: im Spiegel stehn zwei Schafe,
    bläkt ein großes, mäkt ein kleines,
    und das kleine, das ist meines!
    5      ...

  •  Zu Gott.

     Nach Paul Verlaine.

     I.

    Mein Gott hat mir gesagt:     „Sohn, man muß Mein sein! Mein!
    Sieh meine durchbohrte Brust,      mein strahlend, blutend Herz
    und meine wunden Füße,      die Magdalenens Schmerz
    mit Thränen wusch; und siehst,      siehst die große Pein
    5 meiner Arm-und-Hände      durch deine Sündenschuld,
    siehst das...