Venus Urania

by Richard Dehmel

Kommst du, Grollender? tief von Unten? Ueber Felsen und Wolken: suchst du mich, im dunkeln Mantel Du,

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schwarzgekrönter Wetterriese,

mit der bleiernen Stirne? Höher doch! näher! herauf zu mir, mir und meiner Sonne, die hier mein zitternder Arm sich

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vom Himmel riß,

die mich erleuchtet, von mir umglüht, sie meine Seele, ihr Leben ich, taumelnd versunken in Eine große

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einige, einzige Flammenwelt!

[211] Ja, du suchst uns, willst uns segnen, Du mit deinen Donnerorgelstürmen, willst empor zu Unsrer

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Flamme, Flammender Du!

Sehnst dich, tief in Unser tiefes lichtes, allumstrickendes Glück zu blicken, auch ein Lichtkind, allverkettender Erschüttrer ... komm!

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Ja, ich

kenne dich: du bist mein Bruder! Komm, tief schaue, tief auch Ich dir,

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tief durchs nächtige Auge,

in dein heißes zuckendes Herz, das gute: Du wirfst Frucht, Liebe aufs schmachtende Feld herab, wenn du mit wuchtender Faust

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krachend zerbrichst

das dumpf drückende Dunstbrett. Tobe nur, Kommender! nimm, hebe die splitternde Axt! Hebe die düstern,

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schönen,

schattenumhangenen Lider! Grüße mich, du glühend, Ewigkeiten sprühend Auge: satt, ich will mich satt sehn, satt

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an dieser funkelnden Unendlichkeit!

[212] Auf, ihr schmetternden Lippen, jauchzt! aus eurem rollenden Donnersang rauscht mir das ewige Lied vom Samen der Sehnsucht, vom Krieg des Lebens: der Atem der Lust.

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Sonne, meine Sonne!

weh – Er – stählerne Ströme sein Blick, über uns – brennend – Sonne, wo bist du –

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Licht – oh Sonne –

stehn wir umklammert, stehn wir von blendenden, heißen, sausenden Wonnen umzuckt ... Sonne, mein zitterndes Licht!

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Lache! Nur den Baum,

sieh, den Felsen nur traf sein zischendes Beil. Hörst du ihn jauchzen? über der klaffenden Buche,

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über den thalab polternden Trümmern,

im flatternden Bart ihn jauchzen sein eisernes Lied: Weckender Tod, komm, reckend loht

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von Stamm zu Stamm die straalende Kraft,

Einer stürzt, der tausend drückte! Stürzen die Ragenden, wachsen die Ringenden; tausend wachsen, Einer ragt! Tod-und-Leben-stammelnde Laute dröhnen,

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doch darunter schweigt der heil’ge

Mund der Macht ... [213] Greller doch, Blitze! spotte nur, Donner du! triff, zerbrich,

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was furchtsam zitternde Kronen trägt!

Uns segnest du; uns prüftest du,

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Blut von Deinem Blut, mit heißen

Fingern in deiner Flammentaufe. Wir sind fromm und heilig: mit gefeitem Diademe krönte

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uns die Liebe,

unsre sonnenselige Liebe, zitternd von Wünschen und steiler Kraft! Oh, und trifft auch Uns, will ein Bruderopfer Deine Liebe:

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nimm uns! herrlich stürzen wir,

vermählt verglühend in Deiner reinen, in unsrer eignen reinen Glut. Nein, wir fürchten dich nicht,

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rasend liebender Bruder!

Wir sind stark wie Du: ich und meine Sonne, meine Lust und Seele,

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wir zwei Eines,

Eines aller, aller Lust: [214] wir  lieben  Alle: Alle müssen uns

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lieben ...

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