Venus Socia

by Richard Dehmel

– Kaffee, Branntwein, Bier – im Spelunkenrevier, und ein Lied scholl rührend durch die Thür; und das sangen und spielten die traurigen Vier,

5
ein Vater mit seinen drei Töchtern.

Er stand am Ofen, die Geige am Kinn schief neben ihm hockte die Harfnerin, [209] und die Jüngste knixte, und aus das Lied, die Geige die machte ti-flieti-fliet:

10
     „War Eine, die nur Einen lieben kunnt“ ...

Die dritte ging stumm mit dem Teller herum, ums polternde Biljard, blaß und krumm; und nun drehte der Alte die Fidel um

15
und klappte darauf mit dem Bogen.

Und auf Einmal schwieg der Keller ganz, die Jüngste die hob die Röcke zum Tanz; die Harfe die machte ti-plinki-plunk, und die Jüngste war so kinderjung

20
     und sang zum Tanz ein wüstes Hurenlied ...

Sie sang’s mit Glut, das zarte Blut; und der schwarze, zerknitterte Roßhaarhut stand zu der plumpen Harfe gut,

25
mit den weißen papiernen Rosen.

Laut schrillten die Saiten tiflieti-plunk, und Alle beklatschten den letzten Sprung, und die Tellermarie stand vor mir; stumpf „Spielt mir noch Einmal“, bat ich dumpf,

30
     „War Eine, die nur Einen lieben kunnt“ ...

More poems by Richard Dehmel

All poems by Richard Dehmel →