Venus Primitiva
O daß der Kuß doch ewig dauern möchte, – starr stand, wie Binsen starr, der Schwarm der Gäste; der Kuß doch ewig, den ich auf die Rechte, tanztaumelnd dir auf Hals und Brüste preßte!
ich will nicht länger in verzücktem Harme die liebekranken Glieder Nächtens dehnen; „O komm, du Weib!“ entbreit’ich meine Arme ... Oh komm! noch fühlt dich zitternd jeder Sinn,
fühlt wogend glühn, du Flammenkönigin, im Aschenflor um dich die Kupferseide. [206] Gieß aus in mich die Schale deiner Glut! ich dürste nach der Sünde: nach dem Grauen
vor diesen Weh’n, die wühlend in mir brauen. Es schießt die Saat aus ihrem dunklen Schooß, die lange schmachtend lag in spröder Hülle; ich will mich lauter blühn, lauter und los
Satt werden will ich meiner scheuen Lust: oh komm, du Weib! nimm auf in deine Schale die Furcht, die Sehnsucht dieser jungen Brust; noch trank ich nie den Rausch eurer Pokale ...
o kämst auch Du so süß und so verstohlen: so mondesweiß dich in die Sammetwogen, den Purpurflaum der schwärzlichen Violen, die ich dir streun will, an mich her zu betten,
enthüllten Göttlichkeiten sich entketten, versink’ich – in den Teppich – deines – Leibes!