• [13]
    BALLADE VOM VOLK

    Bahnhofsgewühl;
    am Sperrgitter staut sich’s.
    Schutzleute brüllen;
    und rings glotzen tausend
    5 Tiergesichter,
    Hundegesichter,
    Fuchsgesichter, ein Wolfsgesicht...

  • [56]
    DEN AUSLEGERN

    Man soll alles nehmen, wie es ist;
    das Licht legt wirklich Gold auf den Mist.
    Nimmt man es aber durch die Blume,
    dann natürlich bis in die Wurzelkrume!
    5 Da sitzt ein Kobold, der...

  • [15]
    DER FEUERGEIST

    Ein Jüngling, wortgewandt, und sehr fürs Volkswohl glühend,
    oder galt seine Glut mehr seinem Rednerruhm?
    wer weiß – denn eines Tags nach einer Wahlversammlung
    sprach er zu einem...

  • [58]
    DER GEDULDIGE DICHTER

     I
    Der Dichter steht am Herd und schürt
    und wartet, daß sein Volk sich rührt.
    Das Holz liegt da, der Funken auch;
    wann springt die Flamme aus dem Rauch?

     ...

  • [41]
    RELIGIONSUNTERRICHT

    Religionsunterricht:
    gläubige Seelen brauchen ihn nicht,
    aber die zweiflerischen
    lernen da gründlich Unglauben fischen.

  • Ruf

    Immer stiller stehn die Bäume,
    nicht ein Blatt mehr scheint zu leben,
    und ich fühle Wüstenträume
    durch den bangen Mittag beben,

    bis ins bange Blut mir zittern,
    bis ins Herz, wie Feuerpfeile.
    O, ich lechze nach Gewittern!
    Komm, Geliebte! eile! eile!

    aus: Richard Dehmel Gesammelte...

  • Kann ich dein Herz beglücken?
    liebreiche Seele, nein.
    Ich kann dich an mein Herz drücken,
    fühlen mußt du's allein.

    Noch im glückhellsten Gesange
    schwebt ein dunkler Klang;
    lausch ihm nicht zu lange,
    sonst wird dir bang.

    Ob ich dir tausendmal sage:
    ich liebe dich -...

  • Mädel, laß das Stricken, geh,
    tu den Strumpf bei Seite heute;
    das ist was für alte Leute,
    für die jungen blüht der Klee!
    Laß, mein Kind,
    komm, mein Schätzchen;
    siehst du nicht, der Abendwind
    schäkert mit den Weidenkätzchen! -

    Mädel liebes, sieh doch nicht
    immer so bei Seite...

  • Meine Hoffnung du, nun hilf mir hoffen!
    Schleicht der Winter schon in unser Leben,
    das noch kaum ein Frühlingsstrahl getroffen?
    Sahn wir darum einen Himmel offen,
    nur um Grabesziele anzustreben?

    Hilf mir glauben! Nimm mir nicht den Segen,
    daß ich Ein Herz durch mich glücklich wisse!
    O, es geht sich...

  • Nie mehr bin ich allein,
    gleich bebt in mir deine Stimme:
    Du, wie ist dir ums Herz?
    Du, wie ist dir ums Herz?

    Wie dem Schwanenpaar damals,
    das wir beim Nestbau belauschten,
    Beide wie Ein Herz bewegt,
    Beide wie ein Herz bewegt.

    Oh, jetzt bin ich allein,
    jetzt bebt in mir deine...