Der geduldige Dichter

by Richard Dehmel (1863–1920) · 1913 German

I
Der Dichter steht am Herd und schürt
und wartet, daß sein Volk sich rührt.
Das Holz liegt da, der Funken auch;
wann springt die Flamme aus dem Rauch?

II
Das Publikum hat gezischt und geklatscht,
die Kritiker haben gequietscht und gequatscht.
Der Dichter lächelt: Das verschallt,
rings rauscht mein immergrüner Wald.

III
Was soll mir euer Lorbeer, Freunde;
an jedem Blatt zupfen hundert Feinde.
Bringt Blumen, edle Früchte, Wein:
die Kunst will sich des Lebens freun.
Den Lorbeer legt mir aufs Totenkissen;
da wird er nicht mehr heruntergerissen.

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