Gebet an die Geliebte

by Richard Dehmel

Meine Hoffnung du, nun hilf mir hoffen! Schleicht der Winter schon in unser Leben, das noch kaum ein Frühlingsstrahl getroffen? Sahn wir darum einen Himmel offen, nur um Grabesziele anzustreben? Hilf mir glauben! Nimm mir nicht den Segen, daß ich Ein Herz durch mich glücklich wisse! O, es geht sich schwer auf meinen Wegen: ewiges Eis starrt von den Höhn entgegen, und im Abgrund gähnen Finsternisse. Drum von Liebe still! Wer kann sie sagen. Laß mich fühlen, fühlen, daß die Gluten auch in Dir empor zu Flammen schlagen in der Lohe uns gen Himmel tragen, und das Eis zerschmilzt in Lavafluten! aus: Richard Dehmel Gesammelte Werke in drei Bänden. Band 1 S. Fischer Verlag Berlin 1920 (S. 62-63)

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