Der Feuergeist

by Richard Dehmel

[15] DER FEUERGEIST Ein Jüngling, wortgewandt, und sehr fürs Volkswohl glühend, oder galt seine Glut mehr seinem Rednerruhm? wer weiß – denn eines Tags nach einer Wahlversammlung sprach er zu einem Freund: welch grenzenloses Glück,

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so ganz entbrannt zu sein, daß alles mitentbrennt,

so Flamme durch und durch, daß sich der Geist vesuvisch am eignen Wort entflammt und jeden andern Geist rings um sich her verzehrt! – der wurde selbigen Nachts von einer Feuersbrunst jäh aus dem Schlaf geweckt.

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Er sah, noch halb im Traum, durch die verkohlte Tür

den Brand nach seinem Bett mit riesiger Zunge lecken, wollte um Hilfe schrein, sprang auf, sah rings die Wände Rauch spein, die Dielen sprühn, schrie Gnade, stotternd Gnade, sah nichts mehr, schrie nur, sah: alles verzehrend fraß

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der glühende Atem um sich, vesuvisch. Und – o Gnade –

was war das? Luft! Er sah sich zusammenbrechen, fühlte sich hochgerissen plötzlich, getragen, weggetragen, durch klirrende Fenster, Wolken, Nachtwolken, Luft – o Glück – o grenzenloses Glück – durch frische Luft getragen,

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von Fäusten, Retterfäusten, hinab. So kam er zu sich,

stand unten, sah hinauf, sah rings das Volksgetümmel vom Feuer geisterhaft beleuchtet, wollte sprechen, Dank sagen, Dank, o Dank – und sprach, sprach nicht, schrie, schrie nur, stotternd und lallend: Gnade! Gnade! – Die Zunge war

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für immer ihm gelähmt.

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