Nun ist es Zeit - tritt ein - sieh, es ist Zeit -
oh, werde wach und reich mir deine Hände,
du - meiner letzten, schwersten Einsamkeit
wachsamer Geist, für den ich mich verschwende.
Den Gürtel löse auf - leg ab dein Kleid,
das Licht in meiner Lampe geht zu Ende.
Und über allen Dingen ruhlos glänzt
verloschner Liebe wunderlich Gespenst.
Ich bin bereit - ich bitte dich: tritt ein -
Noch liegt dein Kamm an seiner alten Stelle -
noch ist ein warmer, rätselhafter Schein,
wo du hinaustratst über meine Schwelle.
Uralter Krüge ungemischter Wein
hilft zum Vergessen nicht - und Schlafgeselle
ist nur die Qual in meiner Einsamkeit -
Tritt ein und sieh: schon steht das Bett bereit.
An meinen Fingern hängt noch süß und tief
der Duft von deinem Haar - an meinen Ohren
tönt noch das Wort, mit dem dein Mund mich rief,
das Lachen (ach, mir ewig unverloren)
das hinter lieben Lippen schweigsam schlief.
Zu welchem Ziel war alles dies geboren?
und welchem Spruch zu willen? wem zu Dank?
es wuchs, gab Glanz - ein Wimpernzucken lang.
Sieh: eine Mauer hab ich aufgebaut
rings um dein Grab mit Hohn und hohlen Klagen
- und hinter dieser Mauer wurde laut,
was ich ein Jahr in tiefster Qual getragen -
in jedem Traume warst du meine Braut,
nun bist du's - sieh, die Stunde hat geschlagen,
wo ich den Sinn der Erde von mir warf,
daß ich dich heut ins Brautbett tragen darf.
Wie in mir alles rastlos zu dir drängt,
fühlst du es nicht - soll ich so einsam bleiben?
Sinnloser Wunsch, der nur an Gräbern hängt -
hier steh ich starr und hauche an die Scheiben:
in weiße Winterwolken eingesenkt
verschneiter Dächer Glanz und drüber treiben
mit heißen Lippen meine Worte hin -
verklingen hohl - und geben keinen Sinn.