42.
O heilige Wollust, heilig du auf Erden!
Wer ganz in dir ist, der ist gottvollkommen,
Und übermütig wach sind seine Kräfte.
Sein Blick ist küssender Mund,
Sein küssender Mund erglühender Schoß,
Sein Lächeln sagt von allen Zärtlichkeiten.
Sein Leib ist Glut und Glanz,
Und Glut und Glanz strömt aus von ihm,
Der mehr an Liebe trägt, als er behalten kann.
Ich liebe Einen / und alle lieben mich!
Ich liebe Einen / und ich weiß die Welt,
Und ihr Geheimnis ist mir aufgedeckt.
Ich bin nun eines Werdens Mittelpunkt,
Ein Sturm und Ausgang, Sehnen, Lust und Macht,
Bin rosenroter Freude Flügelschwung
Und schlanker Pfeil, der hell ins Leben schwirrt.
Ein Sieger bin ich über alles Leid:
Gestrafft die Zügel! Und mein Wagen braust,
Und seine Speichen singen Seligkeit,
Und seine Spur gräbt Runen in den Tag,
Und Herzen klopfen, die die Runen sehn.
Ich liebe Einen! / O nur dies zu denken,
Entfesselt namenloses Glück!
Was ist ein Geist, der nichts von Liebe weiß,
Was ist ein Leib, dem ihre Wollust fremd?
Ein solcher Geist ist ohne Zeugungskraft,
Ist nur ein schwacher Spiegel seiner selbst;
Ein solcher Leib ist traurig unbelebt
Und seelenlos wie blödes Meergetier.
Doch Geist, der liebt, ist jenem Urquell nahe,
Der unablässig Lebensodem braut;
Und Leib, der liebt, ist dieser Urquell selbst,
Ist Kraft und Güte, Glanz und Harmonie.
O wer am Leben krankt und seinen Sinn nicht findet,
Sich trübe nur durch Labyrinthe windet,
Der bade sich in Wollust rein,
Und heilig liebenswert wird ihm das Leben sein.