8.

by Gisela Etzel (1880–1918) · 1912 German

8.
Unvergleichliches Entzücken
Blüht mir auf aus buntem Strauß;
Welche Freude, ihn zu pflücken,
Sommerglück ans Herz zu drücken!
Trag ihn armevoll nach Haus.

Häufe ihn in schönstem Glase,
Klargeschliffnem Bergkristall,
Daß die sprühende Ekstase,
Satt umrahmt von grünstem Grase,
Flutet wie ein Farbenfall:

Herz und Seele ruhn in Schweigen,
Und nur einzig süße Lust,
Wie Musik aus hundert Geigen,
Klingt und schwingt den bunten Reigen
Tief in aufgeschloßner Brust;

Bis das farbig wilde Blühen
Lösend meinen Sinn berauscht
Und mir ist wie heißem frühen
Knabenjubel, der ins Glühen
Seiner eignen Sinne lauscht. (S. 8)
_____

More poems by Gisela Etzel

  • 34.

    34.
    Mein Tag ist so von Liebe ganz beladen,
    Daß ich erschauernd wie durch Wonnen gehe, …
  • 10.

    10.
    Ich möchte wohl solch eines reinen Knaben
    Verschwendend ersten Liebesjubel haben …
  • 11.

    11.
    Der Wegrain blüht; die goldnen Königskerzen
    Umdrängen still und stolz den alten Zaun, …
  • 12.

    12.
    Komm, Knabe, komm und sieh mir in die Augen,
    Die dunkel sagen, daß sie dich verstehn, …

All poems by Gisela Etzel →