Die Lieder der Monna Lisa

Die Lieder der Monna Lisa

1.
Ich stehe oft und blicke weit ins Leere
Und suche mich und meine Sucht zu fassen:
Kein klares Bild läßt sich zusammenpassen,
Wieviel ich alles hin und wider kehre.

Die Seele singt ein ewiges Miserere
Und kann doch nicht von Tanz und Taumel lassen,
Sucht Gott zu lieben, eifert ihn zu hassen
Und lechzt zum Fall wie straffgefüllte Beere.

Ein Vorbereiten sind mir meine Tage
Auf irgendein Erleben ohnegleichen /
Einstweilen wühlen sie in Lust und Plage
Und häufen Traum auf Traum und Frag auf Frage
Und sehen tränenlos die Zeit verstreichen
Und ahnen, daß sie nichts als Tod erreichen.

Collection: 
1912

More from Poet

  • 9.

    9.
    Durch nächtliche Gassen welch süßes Getön,
    Wie zwitschernde Vögel in Träumen,
    Wie flüsternde Binsen, wie zartestes Wehn
    Von Winden in knospenden Bäumen!

    Ich öffne das Fenster und blicke hinaus
    Und lausche mit...

  • 8.

    8.
    Unvergleichliches Entzücken
    Blüht mir auf aus buntem Strauß;
    Welche Freude, ihn zu pflücken,
    Sommerglück ans Herz zu drücken!
    Trag ihn armevoll nach Haus.

    Häufe ihn in schönstem Glase,
    ...

  • 7.

    7.
    Zuweilen geh ich morgens in den Garten,
    Wenn noch der Tau die nackten Füße streift,
    Verschlafne Vögel auf die Sonne warten
    Und alles sacht dem Licht entgegenreift;

    Dann trinken meine nachterfrischten Sinne
    All...

  • 6.

    6.
    Es ist nicht Sitte, daß ein Weib es wage,
    In ein Sonett ihr Fühlen zu ergießen,
    Sie soll sich nur dem Gatten ganz erschließen,
    Nur dieser seis, dem sie die Seele klage.

    Und daß ich doch nun so in Versen sage
    Von...

  • 63.

    63.
    Nur Stunden noch kann meine Seele wachen
    Und weit in Ferne nach dir suchen gehn,
    Ein letztes Mal die Liebe anzufachen /
    Nur Stunden noch, dann kommt der schwarze Nachen,
    Und steinern kalt wird Dunkel mich umstehn.

    ...