Nach und Nach

by Robert Reinick (1805–1852) · 1844 German

Weißt, mein Liebchen, du wohl noch,
Wie es dich verdrossen hat,
Als das erste Mal ich bat:
"Einen Kuß bekomm' ich doch?"
Wie du da mich abgewehret
Und dein Köpfchen weggekehret,
Sprachest: "Ei, wie schickt sich's doch!"

Als ich wieder dich gesehn
Und dich bat um einen Kuß,
Macht' es dir nicht viel Verdruß,
Ließ'st dein Köpfchen ruhig stehn;
Und ich küßte deine Wangen,
Und du sprachst mit leisem Bangen:
"Ach, es könnte Jemand sehn!"

Kam zum dritten Mal zu dir,
Und ich küßte kühn und frei,
Und dein Köpfchen ohne Scheu
Neigte gar sich her zu mir.
Und jetzt küssen wir und küssen,
Mögen's alle Leute wissen,
Sprichst kein böses Wort dabei. (S. 51-52)
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