Letzter Gruß

by Otto Heinrich Graf von Loeben (1786–1825) · 1905 German

Nicht sag' ich, geh', mich zu vergessen,
Denn du hast nie an mich gedacht,
Ob Lieb', ob Wehmuth mir die Augen nässen,
Du weißt es nicht, du kennst nicht deine Macht.

Der schöne Fels, der Wipfel träget,
Worunter gern die Sonne ruht,
Er steht am Meer, das hohe Wellen schläget,
Und keine zieht ihn mit sich in die Flut.

Die Schmerzen, die am Herzen nagten,
Zu deinen Blicken sagten: Sprecht!
Wenn sie der kalten Härte dich verklagten,
Ich küsse sie, sie waren ungerecht.

O rinne fort, du Freudenquelle,
Und fliehe nur das inn'ge Thal!
Wie ihm das Rauschen deiner Silberfälle,
Verhallt dir seine Lust und seine Qual. (S. 47)
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