Im grauen Nachbarhause

by Marie Eugenie Delle Grazie

[32]  6. Im grauen Nachbarhause Sonnt sich tagaus, tagein Auf schmalem Fenstersimse Ein Kätzchen, schmuck und fein.

5
Es putzt die weißen Pfoten

Und blinzt mir in’s Gemach, Am liebsten aber flög’ es Den grauen Spatzen nach. Die zwitschern in der Rinne

10
Und streiten um ein Korn,

Es gellt die halbe Straße Von ihrem lauten Zorn. Zwei Mönche wandern bettelnd Und müd’ von Haus zu Haus:

15
Hier schmäht man sie, dort schreiten

Sie fromm bedacht heraus. Die Eseltreiber nicken Auf ihren Karren ein, Und nur die Brunnen schwatzen

20
Im lieben Sonnenschein;

Und nur die Tauben flattern Erregt von Dach zu Dach – Da ruft Kanonendonner Die Mittagsglocken wach.

More poems by Marie Eugenie Delle Grazie

All poems by Marie Eugenie Delle Grazie →