Zeus von Otricoli

by Marie Eugenie Delle Grazie German

[45]  Zeus von Otricoli. Leicht neigst du das Haupt und auf ernster Stirne Thront gebietend dir der Vollendung Höchstes: Edle Menschenanmuth mit Götterwürde Machtvoll sich einend!

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Seiendes verschmilzt so in deinem Wesen

Mit dem Götterdrang, der von Ewigkeit her Mystisch sich dem Werdenden paart, das immer Rein’rer Vollendung, Immer höh’rer Form und Gestaltung zustrebt,

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Und das Ur-Geheimnis des eig’nen Wesens

Über sich als schaffende Gottheit in die Himmel emporhob! Und solch’ Traumbild hätt’ nun die Welt für immer Schnöd’ vergessen, wie ach! im Buch der Zeiten

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Ihrer Größten Namen sich bleich verwischen,

Spurlos verschwinden?! Aber sieh! da gleitet ein Strahl der Sonne Goldig-hell dir über das Hanpt und zeigt mir Deines Mundes Lächeln, das heit’re, milde,

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Göttlich erhab’ne –

Und ich fühl’, daß heut’ noch in allem Werden Hehr und sonnengoldig dies Lächeln aufglänzt! Nickst du Antwort mir? Die ambrosischen Locken Wallen dir vorwärts!

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