Herbstgedanken

by Bruno Ertler (1889–1927) · 1919 German

Einst war es so schön und so duftig drauß',
es klang und sang über Berg und Tal
von Glück ohne Reue, von Lieb' ohne Qual
und die Welt war ein farbiger Hochzeitstrauß,
da gaukelte Mücke und Schmetterling,
und an jeder Blume ein Käfer hing,
glitzgoldig und blitzeblau
und trank sich rauschig am Tau.

Wie war der Morgen so rein und reich
und der Tag so warm und der Abend so weich
und die Nacht so tief und schwer,
samtdunkel und sternenhehr.
Im weinlaubwuchernden Gartenhaus
das Windlicht löschte ein Schwärmer aus
und starb mit dem zuckenden Schein. —
Wir blieben lange allein. — —

Die Sonne kehrte zum Vater zurück,
Die Nebel trauern um Licht und Glück,
es fallen die Blätter fieberrot,
und die Blume ist welk und der Käfer tot —
Der Sterbewind stöhnt aus dem Norden — —

Wie ist das alles geworden? (S. 80)
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