Gleich der Rose

by Edmund Dorer

Gleich der Rose auf den Auen, Bist du Liebste anzuschauen! Lieder preisen dich und Rose; Zwar nicht wie im Abendgrauen Rosenlob der Nachtigallen Tönt mein Lied; doch auch im rauhen Klang ist süß das Lob der Liebe. Kann ich doch auf Nachsicht bauen, Denn wer schwiege, dich erblickend Gleich der Rose auf den Auen? Daß dir nichts zu der genauen Gleichheit mit der Rose fehle, Seh' ich ach! im Aug' dir tauen Thränen gleich dem Tau der Rose, Und wie sie, betaut vom lauen Äther, sich zur Erde wendet, Schlägst du nieder, Frau der Frauen, Auf den Boden deine Blicke. Möge gleich dem Hauch, dem lauen, Der vom Tau befreit die Rose, Milder Glanz von schönen blauen Augen dir die Thränen trocknen, Daß wir immerdar dich schauen Gleich der Rose auf den Auen. Aus: Edmund Dorer's Nachgelassene Schriften Herausgegeben von Adolf Friedrich Graf von Schack Erster Band Dichtungen - Übersetzungen Verlag von L. Ehlermann Dresden 1893 (S. 4-5) _____

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