Frühling
by Rainer Maria Rilke (1875–1926) · 1895 German
DIE Vögel jubeln – lichtgeweckt –,
die blauen Weiten füllt der Schall aus;
im Kaiserpark das alte Ballhaus
ist ganz mit Blüten überdeckt.
Die Sonne schreibt sich hoffnungsvoll
ins junge Gras mit großen Lettern.
Nur dorten unter welken Blättern
seufzt traurig noch ein Steinapoll.
Da naht ein Lüftchen, fegt im Tanz
hinweg das gelbe Blattgeranke
und legt um seine Stirn, die blanke,
den blauenden Syringenkranz.
More poems by Rainer Maria Rilke
-
Der Schauende
Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen …
-
Der Schutzengel
Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,
wenn ich erwachte in der Nacht und rief. …
-
Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da an diesem schwarzen Felle …
-
PARIS, JARDIN DES PLANTES
In Spiegelbildern wie von Fragonard
ist doch von ihrem Weiß und ihrer Röte …
All poems by Rainer Maria Rilke →