Erinnerung

by Rene Schickele (1883–1940) · 1920 German

Hab ich dich damals in den Armen denn gehalten
und fest an mich gedrückt?
Versank ich nachts entzückt
in Zärtlichkeiten, die wie Gottes Hände walten?

Wenn ich dich suchte, um dich nicht mehr fort zu lassen,
und dich von weitem sah,
war ich von Sinnen da
und nahm dich wie ein Kind und stürmte durch die Gassen?

Was waren deine Worte, die die Welt umbauten,
so daß ich heute noch
erzittern muß? Und doch
weiß ich nicht mehr, wann du sie sprachst, und wie sie lauten. (S. 103)

More poems by Rene Schickele

  • Ballade

    Madame will wissen, wer ich bin?
    Madame will wissen, wo ich steh?
    Madame will wissen, welchen Weg …
  • Ballade von der Frau Minne

    Dein glühend Reich dehnt sich von Ost nach West,
    zehn Tagemärsche sind von einer Lust zur andern.
    Vieltausend Helden wollten dich durchwandern, …
  • Denk ich an deinen Mund, o Frau

    Denk ich an deinen Mund, o Frau,
    du Liebe,
    blühn Himmel warmen Bluts, das dargebracht …
  • Der Gläubige

    Zu Tod und Verklärung lockt der Frauen Schoß.
    Das ist die Nacht, die auf unsern Augen ruht,
    und das ihr Lächeln wirr und groß. …

All poems by Rene Schickele →