Das Lied

by Felix Grafe (1888–1942) · 1961 German

Oh Abend, wo im halberloschenen Brand
und heitrer sich die hyazinthene Wiese dehnt!
Im Kuß verschlungen fensterhin gelehnt
schweigt Herz an Herz betrachtend in das Land.

Küßtest du so den ungeweihten Mund,
daß er sich dir entblättre hold im Spiele?
Verfall, schablonenhaft und bunt
entgoldet diese Diele.

Wälder, wie Glocken im Sturm, beglückt, verstört!
Küsse wie Märchen, die sich stumme Engel erzählen!
Ach, von kristallnen Himmeln tief betört

reicher, reicher atmet die beladne Seele.
Wir hören
Gott, Gott selbst in einer Amsel zitternder Kehle. (S. 157)
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