Da ich mit einem Mädchen maimorgens im Walde ging

by Joachim Ringelnatz (1883–1934) · 1994 German

Wenige Schritte weiter –
Teilt sich der Buchen stäte Nacht,
Blickst du auf Lande, die heiter
Und weit und schön sind, wie Gott sie erdacht.

Grüne schlummernde Wellen
Glitzern im Regenbogenstaub;
Und Friede durchlächelt in hellen
Strahlen das junge, betränte Laub.

Grüßt nicht auf Butzenscheiben
So in Dämmerstunden das Glück? ...
... Fräulein, hier wollen wir bleiben,
Müßig, als müßten wir nimmer zurück ....

Kannst du am blauen Saume
Fern die alte Ruine noch sehn,
Unbestimmt, wie im Traume,
In der Erinnerung Bilder erstehn?

Ziehen zwei Seelen vom Schweigen
Nun dem Worte, was keine sprach,
Oder dem Säuseln in Zweigen,
Einem Duft, einem Käfersang nach.

Mag sich die andre verirren,
Während die eine die Richtung verlor:
Alle die wogenden, wirren
Wege führen zur Lichtung empor.

Sollte es wieder regnen,
Sollte es donnern jetzt und schnein:
In meinem Traume segnen
Maienglöckchen ein Brautpaar ein.
(Band 2 S. 263-264)
_____

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