Abschiedsworte an Pellka
Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
Warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.
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Über dieses Gedicht
Joachim Ringelnatz (1883–1934) liebte es, Alltagsdinge mit großem Pathos anzusprechen. „Abschiedsworte an Pellka“ ist eine komische Ode an eine Pellkartoffel.
Der Sprecher redet die Kartoffel zärtlich an – „Du Ungleichrunde, / Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte“ – und kündigt ihr dann „den Moment des Zerdrückens / Mit der Gabel“ an. Butter, Quark, Schnittlauch oder Hering sollen sie trösten. Die Mischung aus feierlichem Abschiedston und banalem Gegenstand ergibt den typischen Ringelnatz-Humor, hinter dem oft eine leise Melancholie steckt.