Boten der Liebe

by Otto Heinrich Graf von Loeben (1786–1825) · 1905 German

Thränen unerhörter Liebe
Sind die Boten meiner Triebe.

Lauft nicht, laufet nicht, ihr Quellen,
Eilet nicht aus diesen Fässern,
Lasset ab das Land zu wässern;
Hier sind Thränen, hier sind Wellen
Eure Ufer anzuschwellen,
Thränen unerhörter Liebe
Sind die Boten meiner Triebe.

Spielet nicht mit diesen Zweigen,
Diesen Blumen so gelinde,
Wehet nicht, ihr sanften Winde;
Laßt den Seufzern, die nicht schweigen,
Sich die Zweig' und Kelche neigen,
Seufzer unerhörter Liebe
Sind die Boten meiner Triebe.

Wenn der Tag beginnt zu grauen,
Wenn die Abendlüfte wehen,
Seht ihr mich im Grase gehen;
O was laßt ihr noch, ihr Auen,
Von Auroren euch bethauen?
Thränen unerhörter Liebe
Sind die Boten meiner Triebe. (S. 42-43)
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