Am Teich

by Sophie Hoechstetter (1873–1943) · 1906 German

Vom Teich herüber klingt aus einem Nachen
Durch unsre Nacht der sanfte Ton von Flöten —
Wir sind am Uferrand — ich sehe seine flachen.
Bespülten Steine sich wie Kupfer röten.

Denn aus den Wäldern steigt in blutigem Entfachen
Seltsamen Lichts der Mond, als wie in Nöten —
Und plötzlich, da erstirbt dein liebes Lachen
Und eine Stille kommt, die keine Worte töten. —

Es suchen meine Hände sanft die deinen
Und über ihre Frauenanmut neigen
Sich meine Lippen. Klang es wie ein Weinen,

Das keines wollt' dem andern zeigen?
Oh du, ich fühle, wie sich unsre Seelen einen
In diesem ersten, schmerzerfüllten Schweigen. (S. 30)
_____

More poems by Sophie Hoechstetter

  • Abendstimmen

    Der Sommerwind streicht übers Gras
    Hin über die bebenden Herzen,
    Über die goldenen Königskerzen, …
  • Am Thunersee

    Komm mit — der See schickt weiße Tauben
    Als Freudenboten aus dem Grund hervor.
    Komm mit — ich weiß dir viele Brombeertrauben …
  • Botschaft

    So viele lange Tage mußt' ich warten —
    Dort, wo bei Felsgestein und feuchten Mosen
    Zum Winkel des Vergessens wird der Garten, …
  • Der Treulose

    Wir ritten jubelnd durch die Nacht,
    Fern lag das Schloß — vor uns das Meer
    So weiß wie Diamanten. …

All poems by Sophie Hoechstetter →