62.

by Gisela Etzel German

62.
Du Wiege meiner Schmerzen,
Du sollst nun stille stehn,
Nicht mehr mit andern Herzen
Im gleichen Takte gehn.

Du lagst in tiefen Gluten
Und manchem hohen Rausch /
Und mußt du drum verbluten,
So ists ein edler Tausch.

Laß andre weiter gehen
Zum Ziel, das keiner kennt;
Du wirst doch nie verstehen,
Wohin dein Zeiger rennt.

Das war ein Irrelaufen
Um arme Stunden Glück;
Wie schwer sie zu erkaufen,
Sie gaben nichts zurück.

Nur Eines ist gegeben,
Zu Einem hast du Macht:
Leg ab das liebe Leben
Und bette dich in Nacht.

Lösch aus die Sehnsuchtssonne
Und steh in Dunkel still,
Da keine Erdenwonne
Ein Ganzes werden will. (S. 64)
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